150 Jahre Stadtgeschichte im Schnelldurchgang

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2017 feierte die Stadt Schramberg ihren 150sten Geburtstag. Aus diesem Anlass erschien ein Bilderbuch, das die Stadtgeschichte der letzten 150 Jahre seit 1867 schlaglichtartig beleuchtet und die rasante Entwicklung der ortsansässigen Industrie spiegelt.[1]

Der Marktflecken Schramberg um 1800 vom Tösberg aus gesehen.
Die junge Stadt Schramberg um 1880 vom Tösberg aus gesehen. An den Rändern des ehemaligen Marktfleckens und in den Tälern haben sich mehrere Fabriken angesiedelt. Rechts im Vordergrund sind die Strohmanufaktur J.P. Haas und die Emaillefabrik Christoph Schweizer zu sehen.
Schramberg um 1880, im Vordergrund die Steingutfabrik.
Im Göttelbachtal die Schramberger Uhrfedernfabrik und im Hintergrund die ersten Gebäude der späteren Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik H.A.U., um 1880
Der Marktflecken wird umgebaut und entwickelt sich zur Stadt. Der Abriss des Gerberhauses von Martin Hils hat Platz geschaffen für den Bau des neuen Rathauses, im Hintergrund das repräsentative Postgebäude von 1893.
Luftbild der Schwarzwaldstadt im Jahre 2017

Stets am Puls der Zeit

Schramberg hat eine feudale Geschichte mit vier Burgen, die auf eine Landschaftsgrenze weisen. Trotz oder gerade wegen dieser Lage am Rand des mittleren Schwarzwalds hat sich eine innovative Industriestadt entwickelt, die mit ihrer frühen Industrialisierung bis heute am Puls der Zeit ist.

An den Rändern des Marktfleckens im Tal zu Füßen der mächtigen Burgruine Hohenschramberg siedelte sich seit 1820 Industrie an. Ihrer steten Entwicklung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdankt die Stadt Schramberg ihr Stadtrecht.

In den besten Tallagen nahe der Wasserkraft der Schiltach ließen sich die 1820 gegründete Steingutfabrik Uechtritz & Faist und die 1834 als Armenbeschäftigungsanstalt gegründete Strohmanufaktur J.P. Haas nieder. Nach Anfängen im damals leer stehenden ersten Schloss der Grafen von Bissingen und Nippenburg ließen die Steingutfabrikanten 1838 ihre Fabrikanlage in unmittelbarer Nähe des Schlossparks errichten. Als die nächste Generation der gräflichen Herrschaft – Graf Cajetan von Bissingen und Nippenburg und seine Gattin Louise, geborene Freiin von Warsberg – das heruntergekommenen Schloss abreißen und daneben einen Neubau im zeitgemäßen klassizistischen Stil als Familienwohnsitz errichten ließen – das heutige Schloss –, übersiedelte die andere Nutzerin des Schlossgebäudes, die Strohmanufaktur, an den Südrand des Marktfleckens. Neben ihr baute 1849 die Emaillefabrik Christoph Schweizer, die sich aus einer Gipserwerkstatt entwickelt hatte. Sie hatte zunächst die Schwarzwälder Hausindustrie mit Bestandteilen beliefert – wie später die Uhrenfabrik Junghans und andere auch, bis sie merkten, dass dieser Gewerbezweig mit der amerikanischen Konkurrenz nicht mehr mithalten konnte und sie selbst zu Produzenten oder Zulieferern der neuen zeitgemäßen Produktionsweise werden mussten.

Weitere Fabrikgründer fanden Gelände in den angrenzenden Tälern: die Uhrenfabrik Junghans 1861 in der Geißhalde, die Schramberger Uhrfedernfabrik Ende der 1860er Jahre im Göttelbachtal, ebenso die Uhrenfabrik Konrad Mayer & Söhne 1869, die Uhrenfabrik Landenberger und Lang 1875 – spätere Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik (H.A.U.) – und die Zugfedernfabrik Hugo Kern 1888. Weitere Fabrikgründungen, welche die Konzentration auf die feinmechanische Branche andeuteten, folgten: die Uhrfedernfabrik Pfaff & Schlauder 1890 und die Spiralfedernfabrik Carl Haas 1904.

Das 1867 erreichte Stadtrecht förderte eine rasante Entwicklung. In wenigen Jahren verdreifachte sich die Einwohnerzahl. Eine rege Bautätigkeit setzte ein. Der Zuzug junger Leute, die hier Familien gründeten, beschleunigte die Optimierung der Infrastruktur. Die Burgschule war bald dem Ansturm an Schulkindern nicht mehr gewachsen. Auch private Gründungen wie die einer eigenen Schule für evangelische Kinder am Bocksburgweg und einer privaten Lateinschule konnten den Mangel nicht beheben. So steckte die junge Stadt ihre Mittel zuerst in den Schulausbau: 1883 war der erste Flügel eines Ehrfurcht gebietenden vierstöckigen Schulgebäudes fertig: die Berneckschule.1894 folgte der zweite und 1902 schließlich der dritte Flügel. 27 Klassen konnte das stattliche Gebäude aufnehmen, das der jungen Stadt erstmals ein städtisches Gepräge gab.

1893 war das zweite großstädtisch anmutende Gebäude fertiggestellt: In der Ortsmitte erhob sich ein imposantes Postgebäude, in dem damals modernen historistischen Stil der Kaiserzeit erbaut. 1905 war schließlich der ebenfalls eindrucksvolle Bau der Lateinschule, heute Realschule, fertiggestellt. Ein repräsentatives Rathaus leistete sich die Stadt erst 1913.

Zwischenzeitlich hatte die junge Stadt auch den Kampf um Anschluss an die badische Bahn gewonnen. Die Randlage an den Grenzen Württembergs hatte sich im Verlauf der Industrialisierung als Standortnachteil erwiesen. In diese Grenzlage war das jahrhundertelang unter vorderösterreichischer Herrschaft stehende Schramberg 1806 gekommen: Durch die neue Grenzziehung in Folge der napoleonischen Kriege war die Herrschaft an das Königreich Württemberg gefallen. Die neue Situation hatte damals Vorteile geboten, denn in Württemberg dachte man fortschrittlich: Die Gewerbeförderung versprach sich von einer raschen Industrialisierung eine Steigerung des Wohlstands. Mit Zuschüssen und Vergünstigungen lockte sie daher Investoren an. So kam der spätere Steingutfabrikant Isidor Faist nach Schramberg.

Außerdem richtete die Gewerbeförderung eine Armenbeschäftigungsanstalt ein, die den Menschen Arbeit und bescheidenen Verdienst geben, sie vor allem jedoch zu tüchtigen „industriellen“ Menschen erziehen sollte. In dieser Manufaktur diente der spätere Uhrenfabrikant Erhard Junghans (1823-1870) als Lehrling, schließlich Geschäftsführer und erwarb sich ein Vermögen, welches er in die Gründung einer eigenen Fabrik steckte. Damit legte er den Grundstein für den Aufstieg zur zeitweise größten Uhrenfabrik der Welt. Schramberg wurde Uhrenstadt.

Inzwischen hat sich die von Beginn an weltweit agierende Schramberger Industrie innovativ weiterentwickelt. Aus der Emaillefabrik ist beispielsweise Schweizer Electronic geworden. Auch die feinmechanische Branche ist global aufgestellt. Unternehmen aus anderen Branchen haben sich neu angesiedelt.

Schramberg bietet heute für rund 21.300 Einwohner/innen rund 11.500 Arbeitsplätze. Die größere Flächen benötigenden Industriezweige haben sich inzwischen in den neuen Gewerbegebieten in den Stadtteilen auf der Höhe ausgedehnt: in Sulgen – mit Sulgau, Heiligenbronn und Schönbronn seit 1938 zu Schramberg gehörig – und Waldmössingen – seit 1971 ein Stadtteil Schrambergs. Dieser Eingemeindung verdankte Schramberg 1972 das Prädikat Große Kreisstadt.

Seit den 1960er Jahren wurden neue Wohnviertel wie der Eckenhof im Stadtteil Sulgen erschlossen, neue Gewerbeflächen in Waldmössingen und Sulgen ausgewiesen.

Aus sanierten Fabrikanlagen wurden Gewerbeparks, wo Handwerker und Gründer neue Betriebe aufbauten. Die Stadtsanierung kam in allen Stadtteilen voran. Stetig wurde die Infrastruktur erweitert: im Straßenbau mit Ausbau der B462 und dem Schlossbergtunnel ebenso wie im Kulturbereich mit Musikschule und Volkshochschule, Mediathek und Museen sowie im Sozialbereich mit JUKS und Spitteltreff.

2006 kam die Schwarzwald- und Fremdenverkehrsgemeinde Tennenbronn hinzu. Die Lage am Schwarzwaldrand mit angrenzender Hochfläche bietet zahlreiche Sport-, Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten.

Quellen | Literatur

  • Gisela Lixfeld, Alessa Mekelburg, Raphaela Schneider, Schramberg. 150 Jahre Stadtgeschichte, Erfurt 2018
  • Schramberg. Adelsherrschaft – Marktflecken – Industriestadt, hrsg. vom Museums- und Geschichtsverein Schramberg e.V. und der Großen Kreisstadt Schramberg, Schramberg 2004
  • Momentaufnahmen Schramberg. Ein Lesebuch 1867-1992, hrsg. von der Großen Kreisstadt Schramberg, Schramberg 1992
  • Das ist Schramberg. Die Uhren- und Fünftälerstadt im Schwarzwald, hrsg. von der Stadt Schramberg, Schramberg 1967
  • Oskar Dambach, Schramberg. Ort und Herrschaft. Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Schramberg 1904
  • Stadt-Schultheiß (German) Waller, Chronik der Stadt und ehemaligen Herrschaft Schramberg, sowie Ortsbeschreibung von Schramberg, Wolfach 1872

Einzelnachweise

  1. Dieser Text folgt Gisela Lixfeld, Alessa Mekelburg, Raphaela Schneider, Schramberg. 150 Jahre Stadtgeschichte, Erfurt 2018, S. 7-8