Berta Kuhnt

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Berta Kuhnt (* 2. Oktober 1872 in Leutkirch, † 27. April 1929 in Schramberg) war eine der ersten Kommunalpolitikerinnen. Mit der Proklamierung des allgemeinen Wahlrechts am 12. November 1918 wurde auch das Frauenstimmrecht [1] im Deutschen Reich eingeführt. Berta Kuhnt kandierte erfolgreich bei der ersten Gemeinderatwahl nach neuem Recht am 25. Mai 1919 auf der Liste der SPD für den Schramberger Gemeinderat.

Lebenslauf und politisches Engagement

Berta Kuhnt, geb. Endtmann stammte aus einer Färbermeistersfamilie in Leutkirch/Allgäu. Als junge Frau arbeitete sie als Dienstmädchen in der Schweiz. Dort kam sie mit der sozialistischen Frauenbewegung [2] in Kontakt und engagierte sich als Schriftführerin im Sozialistischen Arbeiterinnenverein Zürich.

1896 heiratete sie den Schreiner und Sozialdemokraten Karl Wilhelm Kuhnt. 1897 und 1900 wurden ihre beiden Söhne geboren. 1901 trat Berta Kuhnt in die SPD ein. Seit 1913 lebte die Familie in Schramberg, wo Berta Kuhnts Ehemann eine Stelle als Schreiner gefunden hatte und ihre Söhne eine Ausbildung in der Uhrenindustrie machten. Sie selbst engagierte sich im SPD-Ortsverein Schramberg, indem sie die Leitung der SPD-Frauenorganisation übernahm, den Arbeiterjugendbund unterstützte und sich für die Gründung einer Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) einsetzte.

Berta Kuhnt (1872-1929), SPD-Politikerin, Gemeinderätin 1919-1922.

1919 bis 1922 war sie Mitglied im Gemeinderat der Stadt Schramberg, wo sie in mehreren Ausschüssen mitarbeitete: in den Schulräten der Evangelischen Schule und der Frauenarbeitsschule, im Fürsorgerat und im Friedhofsausschuss. Berta Kuhnt setzte sich vor allem in den frauen- und familienpolitisch wichtigen Bereichen, der Sozial, Schul- und Gesundheitspolitik ein. Sie suchte die Not der Arbeiterfamilien zu lindern, denn in den Jahren unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs [3] ging es für viele ums Überleben unter widrigsten Bedingungen. Es herrschten Wohnungs- und Hungersnot. Als Gemeinderätin wirkte sie bei der Quäkerspeisung für hungrige Schulkinder mit, brachte eigenhändig Kartoffeln zu Bedürftigen, plädierte für Einrichtung einer Volksküche, eines Altersheims, für sozialen Wohnungsbau und trat für Gerechtigkeit der Bezahlung von Frauenarbeit ein. Mit Theresia Bantle, ihrer Gemeinderatskollegin von der Zentrumspartei, arbeitete sie zum Wohle der Bedürftigen gut zusammen. Gemeinsam setzten sich die beiden Gemeinderätinnen für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen in der Stadt ein.

1921 betätigte sich Berta Kuhnt auch als Mitbegründerin der SPD-Zeitung Schwarzwälder Volkswacht. Sie engagierte sich jedoch nicht nur auf der Ortsebene politisch; sie nahm auch auswärts Aufgaben im Dienste der Stadt Schramberg wahr, indem sie z.B. an der Gemeindevertreterkonferenz in Rottweil teilnahm. Auch von der sozialdemokratischen Frauengruppe wurde sie als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung der SPD gewählt.

Bei der Teilergänzungswahl zum Gemeinderat kandidierte sie erneut, verlor jedoch trotz ihres großen Engagements ihr Mandat knapp. Trotzdem arbeitete sie weiterhin bis zu ihrem Tod als „Sachkundige Bürgerin“ in zwei Ausschüssen des Gemeinderats der Stadt Schramberg mit - in der Notstandskommission und im Frauenarbeitsschulrat - und engagierte sich ebenso in der Parteipolitik. 1924 war sie Delegierte bei der Reichsfrauenkonferenz der SPD in Stuttgart. 1926 wurde sie für 25 Jahre Mitgliedschaft in der SPD geehrt.

Durch die Nachrufe nach ihrem Tod wurden ihre großen Verdienste überliefert. Auch der Bürgermeister widmete ihr eine Trauerrede, in der er betonte, dass "es die erste Grabrede sei, die am offenen Grab einer Frau von der Stadtverwaltung aus gehalten werde": einer "schlichten Frau aus dem Arbeiterstande"[1] zumal.

Quellen | Literatur

  • Gernot Stähle, Rotliegendes. Geschichte der Arbeiterbewegung in Schramberg 1888-1978, Schramberg 1978, S. 24-25, 29, 31.
  • Erika Ramuschkat, Berta Kuhnt SPD-Gemeinderätin 1919-1922, in: Trotz Fleiß kein Preis? Frauenalltag in Schramberg 1867-1992. Katalog zur Ausstellung des Stadtmuseums Schramberg anlässlich des 125-jährigen Stadtjubiläums, hg. von Gisela Lixfeld und Christine Schmidt, Schramberg 1992, S. 31 (= Schriften des Stadtmuseums Schramberg 10).
  • Gisela Lixfeld, 100 Jahre Frauenwahlrecht (1). Die erste Schramberger Gemeinderatswahl nach neuem Recht 1919, in: D'Kräz 38. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg 2018, S. 4-12. - Teil 2 erscheint in: D'Kräz 39, November 2019.

Links

Einzelnachweise

  1. Schwarzwälder Volkswacht 30.4.1929; siehe auch Nachrufe 29. und 30.4., 2.5. 1929, Anzeige des SPD-Nachrufs auch abgedruckt bei Erika Ramuschkat, Berta Kuhnt SPD-Gemeinderätin, in: Trotz Fleiß kein Preis? S. 31, siehe bei Quellen.