Falkensteiner Kapelle

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Die Falkensteiner Kapelle ist eine der ältesten Kapellen im Landkreis Rottweil und befindet sich in der Schramberger Südstadt im Bernecktal unterhalb der Burg Falkenstein.

Geschichte

Glasfenster mit Geschichte

Sie wird erstmalig im Jahre 1275 in Form der Seelengemeinde Valkenstein in den Protokollen der Diözese Konstanz urkundlich erwähnt. Unter dem Patrozinium von Sankt Erasmus gehörte sie im Mittelalter den Herren von Ramstein und Falkenstein.

Im Jahr 1634 wird die Pfarrkirche der damals noch eigenständigen Gemeinde bei Kämpfen zwischen schwedisch-württembergischen Truppen unter General Horn und den kaiserlichen Soldaten unter Feldmarschall Johann von Werth im 30-jährigen Krieg zerstört.

1689 wird Kunigunde Catharina von Bissingen in der baufälligen Kirche, welche erst später durch die Kapelle ersetzt wird, begraben.[1]

Im Jahr 1713 beginnt der Wiederaufbau und am 2. August 1762 [2] erfolgt die Weihung durch den Suffraganbischoff Reichsgraf Johann von Fugger aus Konstanz.

Bis zum Jahr 1787 gehörte die Kapelle als bedeutender lokaler Wallfahrtsort zur Pfarrgemeinde Lauterbach. Im Jahr 1843 kaufte Graf Cajetan von Bissingen und Nippenburg die Kapelle.[3] In den Jahren 1860-1863 erfolgt die Anlage einer Familiengruft als Erbbegräbnisstätte der Grafen von Bissingen und Nippenburg.

Am 8. Januar 1918 wurde Graf Ferdinand von Bissingen und Nippenburg in der Kapelle beigesetzt.[4]

Im Ersten Weltkrieg mussten in Schramberg zahlreiche Kirchenglocken für die Herstellung von Rüstungsgütern abgenommen werden. Auch aus der Falkensteiner Kapelle wurde 1917 eine Glocke entnommen.[5]

2011 wurden zwei als Naturschutzdenkmal klassifizierte Linden vor der Kapelle entfernt, da diese mit dem Brandkrustenpilz befallen waren.[6]

Die Geschichte der Kapelle in Kurzform ist auch auf einem Glasfenster zu sehen.[7]

Falkensteiner Beweinung

Falkensteiner Beweinung

Die um 1515 entstandene Beweinung Christi im Chor der Kapelle gilt als bedeutendes Kunstwerk der Spätgotik und wird von Heinrich Adrion dem Bildhauer Conrad Rötlin aus der damaligen Reichsstadt Rottweil zugeschrieben. Er arbeitete insbesondere für Kaiser Maximilian I. Als zentrale Figur dieser Beweinung wurde die Schmerzhafte Mutter Gottes Motiv auf einer von Uwe Rettkowski entworfenen Postkarte des Stadtmuseums. Mutmaßlich wurde die Beweinung 1753 im Rahmen der Barockisierung aus der Dominikanerkirche in Rottweil entnommen. Wann diese dann in die Falkensteiner Kapelle gelangte ist unbekannt. Jedenfalls befand sich diese bei der Anlage der Familiengruft der Grafen von Bissingen und Nippenburg schon dort. In Dankbarkeit für den weitgehend glimpflichen Ausgang des Zweiten Weltkriegs für Schramberg erhob der damalige Kaplan Josef Hörner die Schmerzhafte Mutter Gottes am 29. April 1945 zur Patronin und Schutzherrin der Stadt Schramberg.[8]

In einem Rechtsstreit zwischen der Stadtverwaltung, vertreten durch Peter Weisser, und dem Grafen Ferdinand von Bissingen, welcher die Beweinung wegen einer angeblich zu hohen Luftfeuchtigkeit der Kapelle entnehmen wollte, bekam die Stadt als untere Denkmalschutzbehörde Recht.[9]

Bildstock in Gedenken an Wendelin Hör

Bildstöck Wendelin Hör

Am 30. Dezember 1839 verunglückte der 31-jährige Wendelin Hör beim Holzflößen in der Berneck. Ihm zur Erinnerung wurde in der Teufelsküche ein Bildstock errichtet, der ursprünglich folgende Inschrift beinhaltete:

Es war des Allerhöchsten Wille, / Daß sich hier schloß des Freundes Blick. / Es nahm das Wasser seine Hülle. / Der Himmel seinen Geist zurück.

und darunter:

Wendel Hör erdrank hier den 30. Dezemb[er] 1839.

In den 1960er Jahren gingen ein davor angebrachtes Gitter und die Inschrift verloren. 1969 brachte Otto Knops ein Kruzifix in einem Glaskasten an. Im Jahre 2013 drohte der Bildstock bei Felsarbeiten im Bernecktal schaden zu nehmen, weswegen er zunächst von Fritz Wöhrle vom Tennenbronner Heimathaus in Sicherheit gebracht wurde. Letzten Endes entschied Graf Franz von Bissingen und Nippenburg den Bildstock an der Kapelle aufstellen zu lassen, wo er im Rahmen des Patroziniums am 1. Juni 2018 gesegnet wurde.[10]

Kreuz an der Außenwand

Kreuz an Außenwand

An der Nordwestseite der Kapelle befindet sich außen ein zunehmend verwitterndes Kreuz, dessen Herkunft ungeklärt ist. Scheinbar sind Kopf und Corpus unterschiedlicher Herkunft. Der ehemalige Stadtarchivar Wilhelm Haas (1880-1956) vermutete in ihm das Kreuz des ehemaligen Falkensteiner Friedhofs. Eine weitere Möglichkeit ist, dass es sich um ein altes Missionskreuz handelt wie Dieter Kohlmann in einem Zeitungsartikel mutmaßt.[2]

Sonstiges

In der Kapelle finden immer noch Andachten und auch Konzerte statt.[11][12]

Die Kapelle ist schon seit Längerem dringend renovierungsbedürftig.[13][14] Sie befindet sich immer noch im Besitz der Familie von Bissingen und wird von dieser bisweilen für familiäre Anlässe genutzt.[15]

Die Kapelle liegt unter anderem am Wanderweg Rund um Schramberg-Talstadt.

Galerie

Quellen und weiterführende Links

Einzelnachweise

  1. Schwabo-Artikel: Auf den Spuren einer Herrscherin, 17.12.2013, letzter Aufruf: 20.10.2019.
  2. 2,0 2,1 Schwabo-Artikel: Rätsel um Kreuz an Falkensteiner Kapelle von Dieter Kohlmann, 13.04.2017, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  3. Schwabo-Artikel: Das Schramberger Schloss erbaut von Carsten Kohlmann, 10.05.2015, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  4. Schwabo-Artikel: Als Förderer der Kirche bekannt von Carsten Kohlmann, 4.1.2019, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  5. Schwabo Artikel: Das Vaterland ruft euch, ihr Heimatglocken von Carsten Kohlmann, 27.7.2017, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  6. Schwabo-Artikel: Naturdenkmale von Pilz befallen, 17.2.2011, letzter Aufruf: 20.10.2019.
  7. Schwabo-Artikel: Gute Partie sichert den weiteren Aufstieg, 10.05.2013, letzter Aufruf: 20.10.2019.
  8. Schwabo-Artikel: Maria in zwei gegensätzlichen Darstellungen von Carsten Kohlmann, 13.8.2019, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  9. Schwabo Artikel: Beweinung bleibt in der Kapelle, 10.07.2014, letzter Aufruf: 20.10.2019.
  10. Schwabo-Artikel: Erinnerung an ein Unglück im Bernecktal von Carsten Kohlmann, 28.5.2018, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  11. Schwabo Artikel: Zur Abschiedstour ins älteste Kirchengebäude der Stadt vom 28.5.2019, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  12. Schwabo-Artikel: Abendmusik zu Ehren des Heiligen Jakobus vom 30.7.2014, letzter Aufruf: 19.10.2019.
  13. Schwabo-Artikel: Kapelle von internationalem Rang, 3.8.2012, letzter Aufruf: 20.10.2019.
  14. Schwabo-Artikel: Kleine Kapelle ganz groß gefeiert, 19.7.2012, letzter Aufruf: 20.10.2019.
  15. Schwabo-Artikel: Familienereignis in Falkensteinkapelle, 11.4.2014, letzter Aufruf: 20.10.2019.