Historischer Rückblick 1867-2017 auf YouTube

Aus Schrambergwiki
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Anlässlich des Stadtjubiläums 2017 ließ die Stadt Schramberg zwei Filme erstellen. Der eine setzt die historische Entwicklung Schrambergs während der 150 Jahre von der Stadterhebung 1867 bis 2017 ins Bild. Der andere beleuchtet, was die Stadt heute ausmacht. Beide Filme sind im Internet auf YouTube zu sehen. Der folgende Text des Films zur historischen Entwicklung Schrambergs ist im zugehörigen Fotobuch abgedruckt.[1]

Die Uhrenfabrik Junghans an der Gaishalde, links der währemd des Ersten Weltkriegs gebaute Terrassenbau.
Arbeitsteilige Fabrikarbeit, Arbeiterinnen bei der Montage von Uhrwerken, um 1900.
Mit der Industrialisierung entsteht ein großer Bedarf an Weckern. Um 1900 stellt Junghans bereits 3 Millionen Uhren im Jahr her: 70% davon Wecker.
Blick gen Süden. Die Stadt dehnt sich aus. Links die Strohmanufaktur J.P. Haas und die Berneckschule.
Bick gen Norden. Die Infrastruktur wird ausgeweitet, neue Schulen werden gebaut wie die Realschule 1905.
Im Höfle hat sich die Möbelfabrik Moser angesiedelt, um 1905.
Die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik im Göttelbachtal, um 1925.

Der Text des YouTube-Films zur Stadtgeschichte

1867 – Schramberg hat es geschafft: Vom hohen Industrialisierungsgrad beeindruckt, verleiht König Karl von Württemberg dem Marktflecken von 3.000 Einwohner*innen Stadtrecht. Zuvor hatte er die Steingutfabrik Uechtritz & Faist und die Strohmanufaktur J.P. Haas besucht.

Die Entwicklung der Schwarzwaldstadt setzt sich fort. Typische unternehmerische Talente jener Zeit sind Erhard Junghans und seine Söhne Arthur und Erhard. Der Vater hat 1861 die Uhrenfabrik Junghans gegründet, die Söhne machen sie mit der Massenfertigung von Weckern groß. Aus kleinen Werkstätten entstehen Fabriken wie die Emailfabrik Schweizer (heute Schweizer Electronic). Weitere Fabrikgründungen wie die Zugfedernfabrik Hugo Kern und die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik markieren die Konzentration auf die feinmechanische Branche.

Die neue Produktionsweise – Massenfertigung in Teilschritten – trägt wesentlich zur Produktivitätssteigerung bei und zwingt die Arbeiter zu Akkordarbeit. Für die bäuerlich und handwerklich geprägten Menschen bedeuten diese Produktionsbedingungen eine vollständige Umstellung ihrer bisherigen Lebensweise. Sie reagieren darauf mit der Gründung von Arbeitervereinen und Gewerkschaften.

Innerhalb von 40 Jahren wird die Infrastruktur der jungen Stadt an den Fortschritt und das Bevölkerungswachstum angepasst. 1874 entsteht der erste evangelische Kirchenbau. Die Berneckschule wird von 1883 bis 1902 von 11 Klassenzimmern auf 27 erweitert. 1892 wird der Bahnanschluss gefeiert, 1893 das Postgebäude eingeweiht, 1901 die elektrische Straßenbeleuchtung, 1905 das neue Schlachthaus. 1906 läutet die Motorwagengesellschaft den Pendelverkehrs ein. 1913 steht das neue Rathaus. Geselligkeit, Musik und Sport werden in Vereinen gepflegt. Mit etwa 11.300 Einwohner*innen wirkt Schramberg nun städtisch.

1900 hat die innovative Uhrenfabrik 3.000 Beschäftigte, stellt drei Millionen Uhren im Jahr her und ist nun der größte Uhrenproduzent der Welt. Schramberg ist jetzt Uhrenstadt und Junghans mit der Kunstuhr auf der Weltausstellung in Paris dabei.

Die militaristische Stimmung im Kaiserreich im Vorfeld des Ersten Weltkriegs wird auch in Schramberg spürbar. Die Uhrenindustrie bereitet sich auf den Krieg vor. Junghans entwickelt Zünder und errichtet im Krieg einen hochmodernen Terrassenbau mit Tageslichteinfall.

Der Krieg geht verloren, die Republik wird ausgerufen. All das geht nicht spurlos an Schramberg vorüber. Wahlen finden statt, erstmals mit Frauenwahlrecht. Die Arbeiterbewegung findet großen Zulauf.

Der Verkauf des gräflichen Geländes ermöglicht neue Baugebiete und die Ausweitung des Straßennetzes. Die Schramberger Arbeiterbauhilfe, das Projekt des SPD-Politikers Jonas King ist eine Antwort auf den katastrophalen Wohnungsmangel. Gebaut wird am Tierstein. Junghans und H.A.U. schaffen Betriebswohnungen.

1923 sorgt die Inflation für Hungersnot. Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit haben politische Folgen. Obwohl die demokratischen Parteien in Schramberg die Mehrheiten stellen, übernimmt die NSDAP 1933 die Macht in der Stadt. Vereine werden „gleichgeschaltet“. Seit 1935 wird die Bevölkerung auf den Krieg vorbereitet. In den Fabriken werden nun Rüstungsgüter produziert. Jedoch lassen Kraft-durch-Freude-Urlauber den Tourismus aufleben. Nach Kriegsausbruch 1939 setzt die Industrie auch Fremd- und Zwangsarbeiter*innen ein.

Am 20. April 1945 endet der Zweite Weltkrieg für Schramberg, und französische Truppen besetzen die Stadt. Als Reparationsleistungen lassen die Siegermächte Maschinen demontieren und abtransportieren. Das zwingt die Fabriken zu rascher Modernisierung. Innovationen wie der Fliegerchronograph J88 von Junghans kommen auf den Markt. Die Nachkriegszeit ist bis in die 1960er Jahre von weitreichenden Veränderungen und Neuanfängen geprägt. Die Lebensverhältnisse verbessern sich rasant. Eine Leistung ist die Eingliederung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen.

1949 ist die Neugründung der Narrenzunft erfolgt. Die 1950er Jahre sind eine Blütezeit des ausgelassenen Fastnachtsfeierns, der Bälle, der Bach-na-Fahrt. 1951 verlassen die letzten französischen Truppen Schramberg. Bereits 1958 schließt Schramberg die Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Hirson und leistet damit als eine der ersten Gemeinden einen Beitrag zur Völkerverständigung.

Sulgen, bereits 1939 eingemeindet, bietet weiteres Bauland und schafft Entwicklungsmöglichkeiten, die von viele Firmen genutzt werden. 1958 eröffnet die Federnfabrik Carl Haas ihr erstes Zweigwerk im Stadtteil Sulgen, später ziehen auch Kern-Liebers und Schweizer Electronic auf die Höhe. Arbeitskräftemangel wird mit Anwerbung von Gastarbeiter*innen gelöst. Im Eckenhof entsteht eine neue Siedlung. Ein Rückschlag ist die Hochwasserkatastrophe 1959, die 20 Millionen Mark Sachschaden verursacht.

1971 entscheidet sich die Bürgerschaft Waldmössingens für die Eingemeindung nach Schramberg. Durch den Einwohnerzuwachs erhält Schramberg den Status Große Kreisstadt. Für Waldmössingen selbst bringt die Eingemeindung einen enormen Entwicklungsschub. Auf der Gemarkung des Dorfes werden Industriegebiete ausgewiesen. Die Möbelfabrik Moser zieht dorthin um.

Bei den Olympischen Spielen in München 1972 ist Junghans dank innovativer Präzisionstechnik offizieller Zeitnehmer. 1976 gehen Quarzuhren in Serie, 1986 bereits Funkuhren, 1990 die erste Funkarmbanduhr der Welt. Der Fortschritt hat seinen Preis: Rationalisierung und Konkurrenzdruck kosten Arbeitsplätze.

Trotz schwieriger Wirtschaftslage können lange gehegte Wünsche wie das Stadtmuseum verwirklicht werden. In den 1980er Jahren wird der Kulturbereich erweitert. Auch die B462 nach Sulgen wird vierspurig ausgebaut und der Schlossbergtunnel realisiert. Das Ende des 20. Jahrhunderts begleiten Sanierungen wie die Erschließung der Industriebrache H.A.U. als Gewerbegebiet und die Fußgängerzone in der Talstadt. Im Stadtteil Sulgen wird ein neues Ortszentrum geschaffen. Zur Jahrtausendwende ist Schramberg Ausrichtungsort der Heimattage Baden-Württemberg. Der Technologie- und Gewerbegebiet H.A.U. wird durch die Auto & Uhrenwelt ErfinderZeiten bereichert. Als neuer Stadtteil kommt am 1. Mai 2006 die Gemeinde Tennenbronn dazu.

Heute ist Schramberg eine moderne Stadt mit rund 21.300 Einwohner*innen und zahlreichen internationalen Unternehmen. Die Schramberger Geschichte zeigt Momente der gegenseitigen Unterstützung, der Weltoffenheit, des Erfindergeists und einer kulturellen und sozialen Verantwortung, die auch in Zukunft bestehen bleiben soll.

Quellen | Literatur

Gisela Lixfeld, Alessa Mekelburg, Raphaela Schneider, Schramberg. 150 Jahre Stadtgeschichte, Erfurt 2018

Links

Einzelnachweise

<references>

  1. Siehe Gisela Lixfeld, Alessa Mekelburg, Raphaela Schneider, Schramberg. 150 Jahre Stadtgeschichte, Erfurt 2018, S. 118-119