Stadtrecht 1867

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Am 7. September 1867 entsprach König Karl von Württemberg „der Bitte der Gemeindebehörden von Schramberg (…) um Verleihung des Prädikats einer Stadtgemeinde.“[1]

Für den 1547 unter Rochus Merz von Staffelfelden begründeten Marktflecken bedeutete das Stadtrecht Prestigegewinn, denn schon im Jahr 1831 hatte sich Schramberg schon einmal vergeblich darum bemüht, das Stadtrecht zu erwirken. Damals erschien die Einwohnerzahl nicht hoch genug; auch die wirtschaftliche Lage der Gemeinde wurde ungünstig bewertet.[2]

Die Porzellan- und Steingutfabrik Uechtritz & Faist im Jahr des 25-jährigen Fabrikjubiläums 1845. Die Fabrik hatte damals bereits 400 Beschäftigte und gehörte zur damaligen Großindustrie. Der raschen industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert verdankt Schramberg das Stadtrecht.
Die Uhrenfabrik Junghans in der Gaishalde (gegründet 1861) im Jahre 1864. Damals hatte die aufstrebende Fabrik bereits rund 70 Beschäftigte.

Vom neuerlichen Wirtschaftsaufschwung hatte sich König Karl persönlich überzeugt. Anlässlich der Gewerbeausstellung 1861 in Rottweil besuchten er – damals noch Kronprinz – und seine Gemahlin Olga Schramberg, um die “großen Fabriketablissements“[3] in Augenschein zu nehmen. Angesichts der industriellen Entwicklung[4] des Ortes konnte das Stadtrecht 1867 schwerlich verweigert werden. Ihr Stadtrecht verdankt Schramberg also der erfolgreichen Industrialisierung während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Hintergrund

Trotz der Randlage im Grenzgebiet zu Baden hatte der Marktflecken einen für damalige Verhältnisse hohen Industrialisierungsgrad erreicht. Er beherbergte immerhin zwei der drei Fabrikbetriebe im Oberamt Oberndorf, die zur damaligen „Großindustrie“[5] gerechnet wurden: die Porzellan- und Steingutfabrik Uechtritz & Faist (gegründet 1820) mit 400 Beschäftigten und die Strohmanufaktur Johann Peregrin Haas & Cie. (gegründet 1834), in der 100 Personen tätig waren, für die darüber hinaus 6.000 Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, Heimarbeit verrichteten. Die Oberamtsstadt Oberndorf mit ihren 200 Arbeitern in der Königlichen Gewehrfabrik konnte in diesem Punkt mit Schramberg jedenfalls nicht mithalten.

Außerdem existierten bereits weitere kleinere Betriebe wie die Strohhutfabrik Wolber (gegründet 1846), die Emaillefabrik Christoph Schweizer und Söhne (gegründet 1849), die Uhrenfabrik Junghans (gegründet 1861) und die Gräflich von Bissingen'sche Kunstmühle und Teigwaaren-Fabrik.

Schramberg war außerdem die einwohnerreichste Gemeinde des Oberamts. Hier lebten damals bereits 3127 Menschen, ein Drittel mehr als in der Oberamtsstadt Oberndorf.

Anlässlich der Erhebung des Marktfleckens Schramberg zur Stadt im Jahre 1867 begann Stadtschultheiß German Waller damit, eine Chronik zu erstellen, die 1872 in Wolfach gedruckt wurde: die Waller'sche Chronik.

Quellen | Literatur

  • Stadt-Schultheiß (German) Waller, Chronik der Stadt und ehemaligen Herrschaft Schramberg, sowie Ortsbeschreibung von Schramberg, Wolfach 1872
  • Oskar Dambach, Schramberg. Ort und Herrschaft. Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Schramberg 1904
  • Das ist Schramberg. Die Uhren- und Fünftälerstadt im Schwarzwald, hrsg. von der Stadt Schramberg, Schramberg 1967
  • Momentaufnahmen Schramberg. Ein Lesebuch 1867-1992, hrsg. von der Großen Kreisstadt Schramberg, Schramberg 1992
  • Schramberg. Adelsherrschaft – Marktflecken – Industriestadt, hrsg. vom Museums- und Geschichtsverein Schramberg e.V. und der Großen Kreisstadt Schramberg, Schramberg 2004
  • Gisela Lixfeld, Alessa Mekelburg, Raphaela Schneider, Schramberg. 150 Jahre Stadtgeschichte, Erfurt 2018

Einzelnachweise

  1. Als Faksimile – das Original befindet sich im Hauptstaatsarchiv Stuttgart – erstmals abgedruckt in: Das ist Schramberg, S. 182-183, siehe bei Quellen. – Siehe auch Momentaufnahmen Schramberg, S. 13, siehe bei Quellen, und im Fotobuch zum 150-jährigen Stadtjubiläum 2017: Gisela Lixfeld, Alessa Mekelburg, Raphaela Schneider, Schramberg, S. 12, siehe bei Quellen
  2. Oskar Dambach, Schramberg, S. 75, siehe bei Quellen
  3. Stadt-Schultheiß (German) Waller, Chronik der Stadt und ehemaligen Herrschaft Schramberg, S. 146, siehe bei Quellen
  4. Gisela Lixfeld, Schrambergs Entwicklung zur Industriestadt, in: Momentaufnahmen Schramberg, S. 14-34, siehe bei Quellen. – Gisela Lixfeld, Die Industrialisierung Schrambergs, in: Schramberg. Adelsherrschaft, S. 205-218, siehe bei Quellen
  5. Beschreibung des Oberamts Oberndorf, hrsg. vom Königlich statistisch-topographischen Bureau, Stuttgart 1868, S. 106