Theresia Bantle

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Theresia Bantle (* 15. Februar 1884 in Fischbach, † 30. Oktober 1973 in Schramberg) war eine der ersten Kommunalpolitikerinnen. Mit der Proklamierung des allgemeinen Wahlrechts am 12. November 1918 wurde auch das Frauenstimmrecht [1] im Deutschen Reich eingeführt. Theresia Bantle kandierte erfolgreich bei der ersten Gemeinderatswahl nach neuem Recht am 25. Mai 1919 auf der Liste der Zentrumspartei für den Schramberger Gemeinderat.

Lebenslauf und politisches Engagement

Theresia Bantle hatte den neuen Frauenberuf der Telefonistin ergriffen; sie arbeitete in der Telefonzentrale der Uhrenfabrik Junghans. 1909 war sie Mitbegründerin und seither Vorsitzende des Katholischen Arbeiterinnenvereins Schamberg.

Theresia Bantle (1884-1973), hier im Jahr 1944, Gemeinderätin 1919-1922.

Die junge Frau war ledig, katholisch, kein Parteimitglied, aber die profilierteste Frau der Katholischen Frauenbewegung [2] in Schramberg. Daher bemühte sich die Zentrumspartei darum, dass sie auf Platz 2 der Zentrumsliste zur Gemeinderatswahl kandidierte. Die Zentrumspartei stärkte sogar Theresia Bantles Wahlchancen, indem sie die Kandidatin mit Kumulation der Stimmen absicherte. Das Wahlrecht ermöglichte es damals nämlich den Parteien, einer kandidierenden Person gleich mehrere Stimmen auf dem Wahlzettel zuzuweisen. Mit diesem Verfahren konnten die Parteien den Wähler*innen signalisieren, dass es besonders gewünscht war, diese Person in das Gremium zu bringen.

1919 bis 1922 war Theresia Bantle Mitglied im Gemeinderat der Stadt Schramberg, wo sie in mehreren Ausschüssen mitarbeitete: in den Schulräten der Katholischen Schule und der Frauenarbeitsschule, im Fürsorgerat und im Lebensmittelausschuss. Sie setzte sich vor allem in den frauen- und familienpolitisch wichtigen Bereichen, der Sozial- und Schulpolitik ein. Sie suchte die Not der Arbeiterfamilien zu lindern, denn in den Jahren unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs [3] ging es für viele ums Überleben unter widrigsten Bedingungen. Es herrschten Wohnungs- und Hungersnot. Als Gemeinderätin beanstandete Theresia Bantle die ungleiche Verteilung von Lebensmitteln und überhöhte Milchpreise. Sie gab Klagen der Arbeiterschaft wegen unzureichender Kartoffellieferung weiter. Sie plädierte für mehr angestellte Wochenbettpflegerinnen sowie für weibliche Hausbedienstete und Mitglieder der Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaft als Beisitzerinnen für das Bezirksarbeitsamt. Außerdem setzte sie sich für Gerechtigkeit bei der Bezahlung von Frauenarbeit ein. Mit Berta Kuhnt, ihrer Gemeinderatskollegin von der SPD, arbeitete sie Hand in Hand zum Wohle der Bedürftigen. Gemeinsam beschafften die beiden Gemeinderätinnen Wäsche für das Städtische Krankenhaus und Küchengerät für die Frauenarbeitsschule. Gemeinsam setzten sie sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen in der Stadt ein.

1922 bewarb sich Theresia Bantle bei der Teilergänzungswahl nicht erneut um ein Gemeinderatsmandat. Sie engagierte sich jedoch weiterhin als „Sachkundige Bürgerin“ in einem Ausschuss des Gemeinderats der Stadt Schramberg: im Schulrat der Frauenarbeitsschule, die ihr besonders am Herzen lag.

Quellen | Literatur

  • Ursula Günzler, Theresia Bantle - Gemeinderätin der Zentrumspartei 1919-1922, in: Trotz Fleiß kein Preis? Frauenalltag in Schramberg 1867-1992. Katalog zur Ausstellung des Stadtmuseums Schramberg anlässlich des 125-jährigen Stadtjubiläums, hg. von Gisela Lixfeld und Christine Schmidt, Schramberg 1992, S. 30 (= Schriften des Stadtmuseums Schramberg 10).
  • Gisela Lixfeld, 100 Jahre Frauenwahlrecht (1). Die erste Schramberger Gemeinderatswahl nach neuem Recht 1919, in: D'Kräz 38. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg 2018, S. 4-12. - Teil 2 erscheint in: D'Kräz 39, November 2019.

Links